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Pfarreiengemeinschaft St. Martin Aschaffenburg  > Jugend  > 3 Tage Zeit für Helden

3 Tage Zeit für Helden

Was macht einen Helden aus? Nur Mut und Stärke? Das greift doch ein wenig zu kurz. So mussten die Jungs und Mädchen aus der Aschaffenburger Pfarreiengemeinschaft St. Martin lernen, dass auch Geduld und Rücksichtnahme wichtige Faktoren sind, wenn es gilt, heldenhaft eine gemeinsame Aufgabe zu lösen. Die Herausforderung, der sie sich gemeinsam stellten, war die Aktion „3 Tage Zeit für Helden“ , die der bayrische Jugendring gemeinsam mit dem Radiosender Bayern 3 ausgerufen hatte.

Die Jugendlichen aus den Aschaffenburger Innenstadtpfarreien St. Peter & Alexander und Zu Unserer lieben Frau nahmen dies zum Anlass für ein weiteres Experiment: nachdem sie sich bislang immer wieder gegenseitig zu Veranstaltung eingeladen hatten, wollten sie diese Aktion diesmal von Anfang bis Ende gemeinsam durchziehen. Und das ist das Tagebuch ihrer Heldentaten:

Dezember

Moni aus „ULF“ und Timo aus „Stift“ werden als Organisatoren bestimmt. Die beiden informieren sich über die Aktion. Erste Absprachen werden getroffen.

Geschafft - wir sind HELDEN!
Geschafft - wir sind HELDEN!

Januar

Die Arbeit beginnt. Moni und Timo halten Kontakt zum Stadtjugendring, suchen in ihren Pfarreien nach Teilnehmern. Flyer werden gedruckt, ein erster Infoabend für die Teilnehmer abgehalten.


Freitag 6. Juli

36 Jugendliche zwischen 11 und 23 Jahren haben sich in St. Martin für die Aktion angemeldet.

Sie treffen sich zu letzten Absprachen im Jugendheim Marienstift. Die Spannung ist groß: Welche Aufgabe erwartet uns? Da erst bei der Eröffnungsveranstaltung eine Woche später verraten wird, welche Heldentat vollbracht werden muss, können nur ganz grundsätzliche Absprachen getroffen werden: Was wäre, wenn wir am Aktionsort zelten müssten? Welche Fahrzeuge haben wir zur Verfügung? Sind alle Eltern über den Verlauf der Aktion informiert? Beim Vorab - Gruppenbild schauen alle noch etwas skeptisch in die Kamera.


Donnerstag, 12. Juli

Rechtzeitig zum Aktionbeginn hört der Dauerregen der letzten Tage auf. Die Stimmung ist angespannt. Gemeinsam mit fast 700 weiteren Jugendlichen aus Stadt und Landkreis Aschaffenburg warten die Jungs und Mädchen aus St. Martin auf ihre Aufgabe. Eine kleines Highlight am Rande: Moni und Timo holen den Oberbürgermeister von Aschaffenburg für ein Gruppenbild zur Pfarrjugend St. Martin. Was soll schief gehen bei soviel prominenter Unterstützung?

Endlich ist es soweit: das geheimnisvolle Kuvert wird geöffnet! Für den Waldkindergarten in Aschaffenburg soll ein Feuchtbiotop anlegt und noch ein paar weitere Verschönerungsarbeiten erledigt werden. Nachdem der zuständige Förster ihnen erste Informationen über das Projekt geliefert hat, fahren die Helden zum Aktionsort, um sich ein Bild von der Aufgabe zu machen. Danach werden die Kleinen nach Hause geschickt und die Großen erstellen einen Aktionsplan. Ganz wichtig auch: die Aktions-T-Shirts des Stadtjugendrings werden verteilt. Auf blauem Grund steht mit großer weißer Schrift quer über die Brust das Wort „Held“ bzw. „Heldin“. Gegen 23.00 Uhr fallen alle zu Hause noch mal in die Betten. Ab morgen wird in Zelten geschlafen!


Freitag, 13. Juli

Es geht los: während die einen Zelte aufbauen und den Lagerplatz herrichten, müssen die anderen das Material für die Aufgabe besorgen. Das Werkzeug gibt es vom Forstamt, der Ton zum Abdichten des Biotops ist schon angeliefert worden, dazu auch eine Dixi - Toilette. Der Platz braucht einen Wasseranschluss. Zum Glück hat man einen Feuerwehrmann in der Pfarrjugend, der sich mit Hydranten auskennt. Das Material stellt eine Aschaffenburger Firma.

Nachmittags rückt eine Gruppe für die Verschönerungsarbeiten zum Waldkindergarten aus. Eine Bühne für das Sommerfest wird hergerichtet, außerdem ein Sinnenpfad, über den sich die Kleinen besonders freuen werden. Barfuss können sie ab Montag über die verschiedenen ausgelegten Materialien laufen. Das Ganze geht flott von der Hand, weil keiner sich drückt. Hier kann am frühen Abend schon gemeldet werden: arbeiten beendet!

Das Biotop soll an einer etwa 300 Meter bergauf vom Zeltplatz entlegene Stelle entstehen. Zunächst müssen zwei Gruben ausgehoben werden, eine Rinne verbindet die beiden miteinander. Dann wird der Boden festgestampft. Am Besten geht das, in dem die ganze Mannschaft hüpfend durch die beiden Löcher zieht. Das ist nicht nur effektiv sondern auch noch gut für die Stimmung.

Der Zeltplatz ist bis zum Nachmittag auch komplett: die Feuerstelle wird aus einer Waschtrommel improvisiert, die Küche besteht aus einem großen Pavillon, einem Kocher und einem Bräter, der Wasserhahn funktioniert. Hier kommt die langjährige Zeltlagererfahrung der Ulfer Pfarrjugend voll zur Geltung. Abends gibt es Nudel mit Tomatensauce und ein wenig Entspannung am Lagerfeuer.


Samstag, 14. Juli

Heute soll es richtig heiß werden. Doch zum Glück für die Pfarrjugend St. Martin liegt der Hauptarbeitsplatz ja im schattigen Wald. Zunächst muss ein Problem gelöst werden: der Ton muss eingeweicht werden und darf dann auch nicht mehr trocknen, weil er sonst reißt. Dazu braucht es Wasser. Der Druck auf dem Wasserschlauch reicht nicht, wie also kommt das Wasser den Berg hinauf? Nach längeren Diskussionen, ob man ein geländegängiges Fahrzeug mit Wassertank organisiert, entscheidet man sich doch für die gute alte Methode: es wird eine Kette gebildet und Wasser wird in Eimern und Flaschen nach oben transportiert.

Das ist natürlich echter Stress, doch das Arbeiten mit dem Ton macht dann wieder Spaß. Allerdings gibt es nach kurzer Zeit niemanden mehr, der noch sauber ist. Nachdem das Material eingeweicht ist, muss es mit Maurerkellen etwa 5cm dick in den Gruben verschmiert werden. So wird der Boden wasserdicht und ein kleiner Tümpel kann entstehen, in dem sich Pflanzen und Organismen entwickeln werden. Der Waldkindergarten wird das Biotop immer wieder besuchen und das entstehende Leben beobachten. Der Förster kommt zwischendurch vorbei und ist mit der bislang geleisteten Arbeit sehr zufrieden. „Könnte sein, dass hier auch Wildschweine zum Trinken vorbei kommen“, informiert er die Jugendlichen.

Inzwischen wird es immer heißer. Auf dem Zeltplatz hört man mit einem batteriebetriebenen Radio auf Bayern 3 immer wieder Grüße an die Helden und deren Hilferufe. Davon animiert bringt eine Mutter zwischendurch eine Ladung Eis vorbei. Die Küche ist schon wieder fleißig: es muss eingekauft werden, vor allem ausreichend Getränke sind wichtig bei der Hitze.

Doch nicht alles ist „eitel Sonnenschein“ an diesem Arbeitstag. Man beäugt sich gegenseitig: Wer arbeit, wer drückt sich? Wer kann etwas, wer stellt sich dumm an? Aber trotz der ein oder anderen Diskussion geht es voran, dass Biotop nimmt Gestalt an und kann schon am Abend mit Wasser befüllt werden. Ein paar Jugendliche verschönen die Anlage noch, in dem sie Farne und Baumpflanzen ausgraben und rund um das Biotop anpflanzen. 

 

Zum Abendessen gibt es Hamburger, die aber schnell umgetauft werden in „St. Martinsburger“. Die Situation der Pfarreiengemeinschaft spiegelt sich in dem nach ihr benannten Essen. So unterschiedlich wie die Zutaten - Fleisch, Salat, Gurken, Majonäse, Zwiebeln und ähnliches - so unterschiedlich sind auch die Menschen, die hier zusammen kommen. Aber das Brötchen hält wie ein guter Geist alles zusammen und erst durch die Verschiedenheit bekommt das Ganze seinen interessanten Geschmack. Geduld und die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen, haben den „St. Martinsburger“ erst möglich gemacht.


Sonntag, 15. Juli

Das Projekt ist schon weit gediehen, die Jugendlichen können in aller Ruhe mit dem Aufräumen beginnen. Inzwischen knallt die Sonne unbarmherzig auf den Zeltplatz. Am Vortag hatte jemand ein Kinderplanschbecken zum Getränke kühlen organisiert. Heute dient es auch zur Abkühlung der Jugendlichen. Natürlich sind alle müde, die Nächte waren schließlich kurz und nicht jeder ist es gewohnt, in Zelten zu übernachten. Bei der abschließenden Kurzreflexion äußern sich aber alle zufrieden mit der Arbeit und dem Ergebnis. Es wird vereinbart, sich in zwei Tagen noch einmal zu einem Grillfest zu treffen. Außerdem wird am kommenden Samstag ein Jugendgottesdienst gefeiert, bei dem alle noch einmal in ihren Helden-T-Shirts kommen wollen. So werden die Pfarrgemeinden etwas von der Aktion mitbekommen. Und auch die Heldentaten gehen weiter: schließlich sind alle in irgendeiner Form in ihrer Pfarrgemeinde engagiert und beweisen da, dass Jugendliche mehr können als abhängen und Party feiern.

 

Berichte zu den einzelnen Aktionstagen gibt es auch auf der Aktionsseite von 3 Tage Zeit für Helden. Diese ist nur einen Klick entfernt.

Burkard Vogt
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Radiobericht über unser Projekt von Burkard Vogt. (2,671 KB)